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Bild des Monats 3-2017 Nr. 50 _1Das „Bild des Monats März“ ist ein ganz besonderes:

Es ist nicht nur das 50. Bild dieses Projektes der Humboldtschule, das seit 2010 läuft, sondern auch das beste aller bisher prämierten! Das jedenfalls hat die Schulgemeinschaft entschieden, die vom 2.-10. Februar Zeit hatte, das beste Bild des Monats zu wählen. Durchgeführt haben die Wahl mit viel Engagement Giovanna Scigliano, Alejandra Schrama und Betül Tekin, vielen Dank dafür!

Gewonnen hat mit überwältigender Mehrheit das Bild Nr. 20 von Nathalie Stünkel. Von 330 Stimmen hatte ihr Bild 134 Stimmen! Den zweiten Platz erhielt das Bild Nr. 34 von Lion Gülkover gefolgt von Jessica Keberlein (Nr.11).

Prämiert wurde Nathalies Bild erstmalig im Juni 2014. Es zeigt die traurigen Augen eines Kindes und entstand im Kunstunterricht bei Frau Cordes zum Thema „Krieg und Gewalt“. Doch was ist aus ihr geworden und  was sagt sie selbst zu dem Bild?

Als ich sie per Email anschrieb, war sie zunächst einmal überwältigt über die Auszeichnung. Einige Passagen aus ihrem Brief möchte ich hier weitergeben:

Ich habe 2015 mein Abi bestanden, war danach ein Jahr in Nicaragua und habe einen Freiwilligendienst gemacht und studiere jetzt an der WWU in Münster Psychologie. Daher bin ich auch aus Hannover weggezogen. 

Momentan komme ich nicht wirklich dazu zu malen oder zu zeichnen, aber meine Leidenschaft dafür habe ich nicht verloren. Interessant ist vielleicht ein bisschen etwas aus dem vergangenen Jahr. In Nicaragua habe ich unglaublich viel gemalt und gezeichnet. Ich war die Ansprechpartnerin dafür in der kleinen NGO, wo ich gearbeitet habe. Zusätzlich habe ich Malunterricht gegeben und es war wirklich wunderschön, mal zu sehen, wie das Ganze beginnen kann und mein "Wissen" weiterzugeben.

Ich bin selbst, seit ich 5 Jahre alt war, in eine Malschule gegangen, wo ich mir einfach die Zeit nehmen konnte, zu malen. So im Alltag findet man da doch eher wenig Platz für. Ich jedenfalls. In Nicaragua habe ich gemerkt, wie wichtig das Malen für mich ist, dass ich dadurch Abstand und Ruhe gewinnen kann. Wenn es mir schlecht ging, habe ich mich hingesetzt und gemalt. Aber was vielleicht am interessantesten ist, ist, dass das Bild von dem Jungen mich begleitet hat. Es diente mir als Inspiration für ein sehr ähnliches Bild, was ich in Nicaragua als 18m² großes Wandbild malte. Mir hatte die Wirkung von den großen "brennenden" Augen so gut gefallen und es war für meine Idee perfekt.

Diesmal sollte es nicht, wie in der Schule um Krieg und Gewalt gehen, sondern ich wollte den unglaublich schlechten Umgang mit unserer Natur zeigen und wie sehr wir den nächsten Generationen damit das Leben erschweren. Es sollte die Armut aus Nicaragua widerspiegeln besonders aus der Stadt Corinto, wo ich lebte, die Hoffnungslosigkeit und die Gefahr, erzeugt durch den Umgang mit der Natur. Der Junge ist diesmal kein afrikanischer, sondern als Vorbild diente mir ein Kind aus der Kindertafel vor Ort, verstecken tut er sich nicht hinter Holz, sondern Wellblech. Ich habe den Kontext also etwas angepasst. Deswegen berührt es mich umso mehr, dass Sie dieses Bild erwählt haben, weil ich es für mich so viel bedeutet. Mehrere Monate habe ich eine abgewandelte Version auf die größte "Leinwand" gebracht, auf der ich je gemalt habe. Es ist für mich etwas viel Größeres geworden als ein Schulprojekt. 

Das Bild habe ich nicht aufgehängt. Es macht mich traurig, es zu betrachten, aufgrund der düsteren Intention. Und vor allem, da es so groß ist, hat es auch eine sehr intensive Wirkung. Ich weiß nicht mehr, wie meine ersten Gedanken waren. Ich weiß nur, dass meine elementare Idee war, das Leid in den Augen widerzuspiegeln, ich glaube ich hatte zuvor ein Bild gesehen, wo sich etwas in einem Auge spiegelt. Ich hab unglaublich daran gezweifelt, dass es funktionieren würde, weil es auch keine Vorlagen gab und ich es aber unbedingt so machen wollte. Später weitete ich das Ganze ein wenig auf und machte es mir leichter, indem ich nicht nur ein Auge, sondern ein Gesicht malte und im Nachhinein bin ich darüber auch sehr froh. Das Holz kam erst ganz zum Schluss, weil ich beschlossen hatte, dass der Fokus auf den Augen liegen sollte...."

 Liebe Nathalie, herzlichen Glückwunsch zu dieser Auszeichnung und alles Gute für die Zukunft!

Gisela Hollmann-Peissig

Wandbild von Nathalie Stünkel_1
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