Ecuador – unser zweites Zuhause: Einblicke und Erfahrungen
Wie bereits in den vorangegangenen Jahren ermöglichte die Kurt-Alten-Stiftung auch dieses Jahr zwei besonders guten und leistungsstarken Schülern und Schülerinnen einen zweimonatigen Aufenthalt in Ecuador an der in Quito liegenden Deutschen Schule. Anders als sonst üblich waren wir dieses Jahr allerdings drei Schüler*innen, die zusammen auf diese Reise aufgebrochen sind, da einer von uns die Möglichkeit erhalten hat, die Reise selbst zu finanzieren und so mitzukommen. An dieser Stelle muss unser besonderer Dank auch an Frau Schulz ausgesprochen werden, ohne deren immense Hilfe dies nicht möglich gewesen wäre. Vielen Dank!
An dem 14.04. war es dann so weit — wir brachen nicht nur auf in ein fremdes Land, sondern zu einem, welches wir für zwei Monate unser Zuhause nennen würden. Ein Land, welches wir ursprünglich fast nur für die sagenhafte Natur kannten. Doch Ecuador ist so viel mehr als das: neben einer unfassbar hohen Biodiversität verfügt es auch über eine sehr tiefgehende Kultur mit unfassbar viel Tradition. Auch die Menschen müssen wohl zu den nettesten überhaupt gehören, wie wir auch bald herausfinden werden.
Nach etwa sechzehn Stunden Reise sind wir nun also in Quito, der höchsten Hauptstadt der Welt, angekommen. Schon aus dem Flugzeug haben wir einen kurzen Blick auf die atemberaubende Natur bekommen, die sich wirklich in jede Richtung erstreckt. Kaum gelandet, wurden wir nun auch schon von unseren Gastfamilien empfangen. Dabei waren diese alle so fröhlich, dass es uns wohl nur schwer möglich gewesen wäre, nicht mit Freude auf die damals vor uns liegende Zeit zu blicken.
Wir alle lebten während dieser Zeit in unterschiedlichen Gastfamilien, wodurch wir komplett unterschiedliche Facetten von Ecuador und dessen Kultur zu sehen bekamen. Dabei konnten wir hier alle viel dazulernen und auch fürs Leben mitnehmen. Nicht nur unsere Spanischkenntnisse verbesserten wir stetig weiter, durch die Anstrengungen unser Gastfamilien war es uns auch allen möglich, in die Kultur hier einzutauchen und so nicht nur die Traditionen, sondern auch die dahinterstehenden Menschen zu verstehen. So bot uns praktisch jeder Tag eine neue Erfahrung und Herausforderung.
Auch wenn wir unterschiedliche Gastfamilien mit jeweils unterschiedlichen Gewohnheiten besucht haben, so war ein Teil des Alltags für uns alle gleich: Während unseres zweimonatigen Aufenthalts hier besuchten wir alle die Deutsche Schule Quito, welche aber eigentlich in Cumbayá, einer kleineren Stadt direkt unter Quito, gelegen ist. Direkt am ersten Tag starteten wir nach einer Einführung mit in den Unterricht. Dabei besuchten wir alle unterschiedliche Klassen, wodurch wir komplett unabhängig voneinander die Möglichkeit hatten, hier den Personen näherzukommen. Da wir jedoch alle in sogenannte internationale Klassen eingeteilt wurden, wurde ein Großteil des Unterrichts auf Deutsch gehalten, was uns die Teilnahme immens erleichtert hat. Auch wenn die Deutschkenntnisse unser Mitschüler*innen wirklich beeindruckend waren, unterhielten sie sich untereinander natürlich immer noch auf Spanisch, wobei wir allerdings konstant integriert wurden. Dabei zeigte sich uns wiedereinmal, wie überaus offen und herzlich die Ecuadorianer sind.
Eine Sache, die uns am Anfang wirklich umgehauen hat, ist das Schulgelände: es verfügt nicht nur über eine Musikschule (bei der man herzlich dazu eingeladen ist, kostenlos die Instrumente zu benutzen) oder eine Bibliothek, sondern auch über eine eigene Schwimmhalle, ein Stadion, Volleyballplätze und vieles mehr. So konnten wir nach der Schule die Möglichkeit nutzen, Aktivitäten wie Geräteturnen, Leichtathletik, Fußball und vielem mehr nachzugehen.
Doch trotz des Besuchs der gleichen Schule könnten wir nicht unterschiedlichere Einblicke in Ecuador gewonnen haben:
Sophie:
Seit meiner Ankunft habe ich mich direkt willkommen gefühlt. Ich wurde sehr herzlich empfangen und habe augenblicklich gemerkt, wie freundlich, offen und hilfsbereit die Ecuadorianer sind – oft wirken sie sogar noch herzlicher und aufgeschlossener als viele Menschen in Deutschland.
Ich durfte Ecuador von vielen verschiedenen Seiten kennen- und lieben lernen. Gemeinsam mit meiner Gastfamilie besuchte ich einige Sehenswürdigkeiten wie die Mitad del Mundo, die Basílica del Voto Nacional oder die historische Altstadt mit ihren vielen schönen und traditionellen Häusern. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, zahlreiche neue Speisen und Gerichte zu probieren. Dabei fiel mir schnell auf, wie unterschiedlich Essgewohnheiten sein können. Fleisch und Fisch spielten in meiner Gastfamilie eine große Rolle und kaum ein Tag verging ohne ein Gericht mit Fleisch und Reis. Besonders begeistert haben mich jedoch die Früchte: Sie sind hier deutlich saftiger, fruchtiger und aromatischer als die meisten, die ich aus Deutschland kenne.
Ein besonderes Highlight meines Aufenthalts in Ecuador war der viertägige Ausflug an den Strand nach Ayangue über das verlängerte Wochenende zum 1. Mai. Dadurch ermöglichte mir meine Gastfamilie, das Land noch einmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Dort habe ich zum ersten Mal gesurft – auch wenn ich dabei häufiger im Wasser als auf dem Surfbrett gelandet bin, hat es mir unendlich viel Spaß bereitet. Außerdem konnte ich traditionelles Essen probieren und verschiedene Wasseraktivitäten ausprobieren. Dieser Ausflug und die gemeinsame Zeit werden mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben.
Während der zwei Monate durfte ich außerdem selbst am Fußballtraining teilnehmen, die Fußballspiele meines Gastbruders besuchen und sogar ein Spiel des lokalen Teams „Liga Deportiva Universitaria“ im Stadion verfolgen.
Die zwei unvergesslichen Monate erfüllen mich mit großer Dankbarkeit gegenüber allen Beteiligten, die mir diese besondere Reise und all die schönen Momente ermöglicht haben.
Finn:
Gleich zu Anfang nahm meine Gastfamilie mich, zu einem Ausflug in das historische Zentrum Quitos mit. Hier besuchten wir verschiedene Sehenswürdigkeiten wie den Panecillo, eine berühmte Aussichtsstatue, von der man einen großen Teil der Stadt überblicken kann. Vor allem beeindruckt hat mich das schiere Alter vieler Gebäude in diesem historischen Viertel. So erreichten mehrere Kirchen ein beeindruckendes Alter von über 500 Jahren!
Neben verschiedenen kleinen Exkursionen wie zu einem Leichtathletikturnier oder auf einen Markt ermöglichte mir meine Gastfamilie einen viertägigen Besuch im Chocó Anden Regenwald. Dabei hat es sich definitiv um die Erfüllung eines Traums gehandelt, schon immer wollte ich in einen Regenwald reisen.
Diesen nun in echt zu erleben war wahrlich beeindruckend und erfüllt mich mit Dankbarkeit gegenüber meiner Gastfamilie.
Ryan:
Anders als Finn und Sophie war ich nicht bloß in einer, sondern in zwei Gastfamilien. Dadurch habe ich die Möglichkeit bekommen, einen besseren Einblick in das Familienleben und somit letztendlich die Kultur zu erhalten.
Bei beiden Familien habe ich mich sehr wohlgefühlt und ziemlich schnell eingelebt; Grund dafür war hauptsächlich die offene und ehrliche Natur der Ecuadorianer, die es einem schwer macht, sich nicht direkt wie Zuhause zu fühlen. Über die zwei Monate hinweg haben es mir beide Gastfamilien ermöglicht, viele verschiedene Gerichte zu probieren oder die Besonderheiten des Familienlebens in Ecuador kennenzulernen. Somit habe ich auch mein Spanisch immens verbessern können, besonders natürlich das Verständnis. Aber auch an Ausflügen sparten meine Familien nicht:
Meine erste Gastfamilie zeigte mir beispielsweise den Vulkan Antisana oder machte mit mir einen Wochenendausflug in die Stadt Otavalo. Dort sind wir beispielsweise mit einem Schiff über einen in einem Vulkankrater liegenden See, die „Laguna „Cuicocha“, gefahren, haben Märkte besucht oder waren bei Wasserfällen. Genau wie mit der ersten Familie kam ich dann auch mit der zweiten wunderbar klar. Auch diese hat sich sehr bemüht, mir die ecuadorianische Kultur näherzubringen; so zeigten sie mir beispielsweise Quito etwas genauer. In der zweiten Hälfte von meinem Aufenthalt habe ich überdies von Finn‘s Gastfamilie die einmalige Möglichkeit bekommen, sie einen Tag in den Chocó-Anden-Regenwald zu begleiten, wo wir beispielsweise in einem durch den Wald laufenden Fluss geschwommen sind. Das ist definitiv ein Tag, den ich nicht vergessen werde und an den ich immer gerne zurückdenken werde.
Ich habe hier insgesamt eine wirklich unbeschreiblich schöne und einzigartige Zeit verbracht, wofür ich sowohl meinen beiden Gastfamilien als auch sonst allen wirklich sehr dankbar bin! Allein die Möglichkeit, durch das Leben in einer anderen Kultur andere Perspektiven zu erlangen, macht diese Erfahrung sehr wertvoll und empfehlenswert.
Unser Fazit:
Wenn wir auf die vergangenen zwei Monate zurückblicken, sind wir uns in einer Sache alle einig: Wir sind unendlich dankbar, diese Möglichkeit erhalten zu haben, eine neue Kultur kennenzulernen und für eine Zeit Teil des Lebens in Ecuador sein zu dürfen.
Die Herzlichkeit und Offenheit, mit der wir hier aufgenommen wurden, haben uns tief beeindruckt und gezeigt, wie unterschiedlich das Leben sein kann. Unser Aufenthalt war eine unvergessliche und wunderbare Zeit, an die wir uns noch lange erinnern werden.
Als wir im April am Flughafen in Hannover gestartet sind, wussten wir nicht, was uns erwarten würde. Jetzt wissen wir es: Wir haben aus dieser Reise weit mehr mitgenommen, als wir jemals erwartet hätten. Es geht nicht darum, welches Leben besser ist, sondern darum zu verstehen, wie vielfältig und unterschiedlich Lebensweisen sein können.
Diese Erfahrung hat unseren Blick auf vieles verändert. Sie hat uns gezeigt, dass man vieles nicht als selbstverständlich betrachten sollte, sondern bewusster wahrnehmen und wertschätzen kann. Wir sind mit mehr als nur Erinnerungen und Fotos zurückgekehrt – wir nehmen neue Perspektiven, wertvolle Erfahrungen und vor allem einen neuen Blick auf das Leben und den Alltag mit.
Wir durften eine neue Kultur kennenlernen, viele besondere Begegnungen erleben und wertvolle persönliche Erfahrungen sammeln. Dafür möchten wir uns von ganzem Herzen bedanken. Uns dieses Vertrauen zu geben, bedeutet uns echt viel!












